
Hochspannung
Papierschnitt | 48 x 32,5 cm | 2020
In einem Interview der BR Abendschau 2017 habe ich gesagt, ich wäre ein strukturierter und politischer Mensch und arbeite an keinen gefälligen Motiven wie etwa Palmen am Strand. Nur drei Jahre später fing ich mit einer Serie an, die genau das zeigt. Die Palme wird hier überzeichnet, fast künstlich, auch bedingt durch die Farbwahl. Sie wirkt mehr wie ein Zitat, das sich selbst in Frage stellt. Die Verstrebungen und Überlagerungen der Palmblätter entwickeln eine eigene grafische Kraft.
Dieses Prinzip zeigt sich auch in der Arbeit Hochspannung. Der Blick nach oben auf den Strommast verwandelt die Konstruktion in ein grafisches Geflecht aus Linien und Überlagerungen. Was beide Motive verbindet, ist weniger ihr Gegenstand als ihre Struktur, die beinahe ornamental wirkt.
Gleichzeitig zeigt sich, wie sehr technische Bauwerke selbst von Prinzipien der Natur inspiriert sind. Die Verstrebungen eines Hochspannungsmasts erinnern an Verästelungen, an tragende Netzwerke, wie sie auch in Pflanzenstrukturen zu finden sind. Stabilität entsteht hier wie dort durch Wiederholung, Verdichtung und Verzweigung. So erscheinen technische Konstruktionen nicht als Gegenentwurf zur Natur, sondern als ihre Weiterführung.
Palm
Papierschnitt | 2020
