sheltered

Sheltered bedeutet geschützt. Die Serie entfaltet die vielschichtige Ambivalenz dieses Begriffs und hinterfragt unsere Vorstellung von Schutz und Beherrschbarkeit. Die Fotografien zeigen eine Landschaft zwischen romantischer Überhöhung und moderner Erschließung. Entstanden 2014 in den Schweizer Alpen, am Mont Blanc, am Simplonpass und rund um Sion und das Rhonetal, richten die Bilder den Blick auf die fragile Beziehung zwischen Mensch und Hochgebirgslandschaft.

Die Alpen erscheinen hier zugleich als Sehnsuchtsraum und als unberechenbare Naturgewalt. Seit dem 19. Jahrhundert sind sie Projektionsfläche romantischer Vorstellungen. Bereits der frühe Tourismus suchte in ihnen das Erhabene und diese Faszination wirkt bis heute fort. Der Mont Blanc ist längst nicht mehr nur symbolischer Gipfel menschlicher Grenzerfahrung, sondern auch Teil einer touristisch erschlossenen Erlebniswelt.

Während auf den Gipfel gebaute technische Infrastrukturen wie Seilbahnen, Hütten oder Rettungssysteme Sicherheit suggerieren, bleibt die Natur unkontrollierbar. Während die Touristen bequem mit der Bahn auf den Gipfel fahren, sind die Bergsteiger plötzlichen Wetterumschwüngen ausgesetzt. Höhenkrankheit, Vermisstenfälle und tödliche Unfälle sind ein fester Bestandteil der hochalpinen Realität. Die Praxis, sich vor einer Besteigung registrieren zu lassen, verweist auf die ständige Möglichkeit des Scheiterns.

Ein besonders prägnantes Bild für den menschlichen Versuch, Natur zu bewahren und zugleich zu kontrollieren, bietet der Rhonegletscher. Er wird mit großen Planen abgedeckt, um sein Abschmelzen zu verlangsamen. Diese Maßnahme wird zum Paradox. Sie steht für das Bedürfnis, das Flüchtige festzuhalten und irreversible Prozesse aufzuhalten und macht zugleich die Grenzen dieses fast schon hilflosen Handelns sichtbar. Der Gletscher liegt unter seinen schützenden Hüllen verborgen und schwindet durch den vom Menschen beförderten Klimawandel dennoch unaufhaltsam weiter.