Die Fotoserie SHANDONG ist während meines Chinaaufenthaltes im Jahr 2015 entstanden und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf ein Land im Übergang. Ich reiste mit einer Delegation der Universität in Augsburgs Partnerstadt Jinan. Entstanden sind die Arbeiten in der Provinz Shandong, sowohl in der Hauptstadt Jinan ebenso wie in historischen Stätten wie dem Konfuziustempel in Qufu.
Der Aufenthalt war von extremen Gegensätzen geprägt. Das Land und die Menschen dort sehen einerseits auf eine jahrtausendealte Geschichte und Kultur zurück und befinden sich andererseits in einem Zustand rasanter Transformation und permanenter Beschleunigung.

In den Details verdichten sich diese Spannungen besonders eindrücklich. Vor Gebäuden abgestellte Thermoskannen aus Plastik – scheinbar beiläufige Alltagsobjekte in denen warmes Trinkwasser aufbewahrt wird – werden zu Symbolen eines paradoxen Zustands. Sie stehen für Gemeinschaft und Vertrauen, aber auch für ein System umfassender und struktureller Kontrolle. Die allgegenwärtige Überwachung erzeugt ein Gefühl von Sicherheit, sozialem Konsens und Ordnung, das allerdings untrennbar mit latenter Unsicherheit einhergeht. Tempelanlagen und historische Orte verweisen auf eine kulturelle Kontinuität, die Identität stiftet und Orientierung bietet. Auf der anderen Seite zeigt sich urbanes Wachstum, bauliche Expansion und ein gesellschaftlicher Wandel. Auch die Darstellung von Natur fügt sich in dieses Spannungsfeld ein. Parks erscheinen als sorgfältig gestaltete, nahezu künstliche Landschaften – kontrolliert, komponiert, fast wie Kulissen. Natur wird hier nicht als autonomer Raum erfahrbar, sondern als gestaltetes Bild, das bestimmten Erwartungen entspricht.
Die Fotografien fangen Momente ein, in denen Tradition und Moderne, Freiheit und Kontrolle, Natürlichkeit, Inszenierung und Konstruktion aufeinandertreffen und überlagern.








